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6. Mai 2014

 

Positiv formulieren im Brief, auf Webseite, Broschüre & Co. …, … oder anders gesagt: warum „kein Problem“ eben doch ein Problem ist!

 

 

Ganz egal, ob Sie einen Werbebrief, einen Geschäftsbrief schreiben oder in der Firmenbroschüre Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung präsentieren. Die Regel lautet: Positiv formulieren!

Wenn ich zu Ihnen sage: „Bitte denken Sie jetzt unter keinen Umständen an eine lila Kuh.“ Was passiert dann? Sie denken bzw. sehen vor ihren Augen eine lila Kuh! Stimmt’s? Aber warum ist das so? Nun, unsere rechte Gehirnhälfte ist unser Filmtheater, und kennt nur Bilder. Und Nicht-Bilder (wie „keinen“) gibt es nicht. Das Gehirn konzentriert sich also voll und ganz auf die lila Kuh. Das Wörtchen „keinen“ wird ignoriert, und wir sehen – trotz des „Verbotes“ – eine lila Kuh.

Für Ihren Text heißt das:
Dieses Phänomen mit unserer lila Kuh beeinflusst auch die Sprache im Brief, auf der Webseite oder in der Firmenbroschüre. Deswegen: Wenn Sie dem Leser oder Ihren Kunden etwas Positives sagen möchten, dann müssen Sie das auch positiv formulieren. Aktivieren Sie Bilder, das Filmtheater beim Leser. „Nicht“, „kein“ oder „nichts“ sind keine Bilder, sondern bildleere Phrasen.

So wirken "kein Problem", "problemlos" und Co. auf Ihren Leser
Liest also Ihr Kunde „kein Risiko“, „problemlos“, „ohne Probleme“, „kein Problem“, geht es ihm, wie Ihnen mit der lila Kuh. Denn: „Kein Problem“ zeigt dem Leser ein Problem.

Ein Beispiel dazu: Mit unserem neuen Produkt können Sie "ohne Probleme" in den Urlaub fahren. Denn es überwacht automatisch alle Fenster, Türen, Ein- und Ausgänge. Sie gehen" kein Risiko" ein.

Was passiert nun beim Leser? Er fragt sich: „Welche Probleme meint das Unternehmen?“, Ist das Gerät etwa sehr anfällig?“ Welche Risiken können auftreten?“ Aber genau solche Fragen möchten Sie beim Leser – und eventuell Ihrem zukünftigen Kunden – vermeiden!

Deshalb: Schreiben Sie positiv über Ihr Produkt. Der Satz könnte dann so lauten:
Mit unserem neuen Produkt „XYZ“ können Sie ganz entspannt und beruhigt in den Urlaub fahren. Der „XYZ“ sieht einfach alles. Er überwacht Tag und Nacht ganz automatisch alle Fenster, Türen, Ein- und Ausgänge. Für Sie bedeutet dies: Sicherheit und Erholung pur – genießen Sie Ihren Urlaub und freuen Sie sich wieder auf Ihr sicheres Zuhause!

Ach ja, es gibt auch noch die „doppelten Verneinungen“
Ein doppeltes "Nein" heißt "Ja". Wir erinnern uns: Minus mal Minus = Plus. Also: "Das ist mir nicht unlieb" ist einfach gesagt „das ist mir lieb“. Mit doppelten Verneinungen sagen wir zwar das Positive, liefern aber eine negative Aussage mit, nämlich: unlieb. Und auf solche Formulierungen sollten wir in Werbebriefen, Geschäftsbriefen, Broschüren etc. verzichten. Besser: Das ist mir lieb. Das mag ich gern.

Und: Keine Regel ohne Ausnahme
Manchmal ist es tatsächlich besser, „negativ“ zu formulieren. Nämlich dann, wenn Sie ausdrücklich auf ein Problem hinweisen möchten. Zum Beispiel: Mit den alten Holzfenstern in Ihrem Haus verlieren Sie unnötig viel Energie.

Wenn Sie „negativ“ in Ihren Text einsteigen, sollten Sie aber im Laufe des Textes wieder zur positiven Sprache finden (So sparen Sie Heizöl …).

Tipp: Und falls die Macht der Gewohnheit der negativen Formulierung mal wieder zuschlägt, dann denken Sie (unter "keinen" Umständen) an die lila Kuh.


Schleichen sich in Ihrer Geschäftskorrespondenz auch gern mal Sätze wie „das ist kein Problem für uns …“ ein?

 

 

 

Autorin:
Cornelia Nagel, Online-Redakteurin und Text-Expertin

 

 

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